Kinder verstehen Theatersprache

Pädagogik – Jungen und Mädchen zwischen acht und zwölf Jahren bringen die Abenteuer des Odysseus auf die Bühne

VON ANDREAS DÖRR

REUTLINGEN. Der Stoff ist klassisch, die Geschichte spannend: Die Abenteuer des Odysseus, griechischer Held und tragische Figur der griechischen Mythologie, stehen dieses Mal im Mittelpunkt von »Spielend lernen«, einem Theaterprojekt vom Verein Dialog und der LAG Theaterpädagogik Baden-Württemberg.

FOTO: Andreas Dörr

Bereits zum sechsten Mal erarbeiten etwa 50 Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren ein Theaterstück, das sie am Ende der neuntägigen Proben der Öffentlichkeit präsentieren. »Die Kinder kommen aus über zehn Nationen«, sagt Galina Lerner, die 1992 selbst als Kontingentflüchtling mit ihrer Familie von St. Petersburg nach Deutschland gekommen ist. Sie arbeitet heute unter anderem als Vorsitzende des Vereins Dialog, der nach eigenen Angaben versucht, Brücken zu bauen zwischen den Kulturen und dabei die Einzigartigkeit jedes Einzelnen bewahren will.

Bis Freitag anmelden

Das Projekt fördert den spielerisch-theatralen Umgang mit der deutschen Sprache, indem Sprachbildung und Sprachverständnis auf kreative Weise unterstützt werden. Zentral sind nonverbale Ausdrucksfähigkeiten, das Überwinden von Sprechblockaden mit spielerischen Mitteln, die Förderung von spontanem, natürlichem und situativem Sprechen. Etliche Kinder, die seit Anfang der Pfingstferien im Obergeschoss der ehemaligen Ypern-Kaserne Bühnenluft schnuppern, können kein Deutsch. »Ein Übersetzer hat diesen Kindern am ersten Tag erklärt, um was es sich bei der Geschichte von Odysseus handelt«, sagt Monika Hunze, Geschäftsführerin der LAG Theaterpädagogik Baden-Württemberg. »Heute verständigen wir uns mit Händen und Füßen, lächelnd und mit viel Geschick«, sagt Galina Lerner. »Alle wissen, um was es geht«, sagt Monika Hunze, weil die Sprache des Theaters auch Kinder verstehen. Weil das Erarbeiten eines Theaterstücks aber nicht nur spielerische Momente hat, sondern oft genug ein hohes Maß an Konzentration verlangt, gibt es quer durch den Tag genügend Ruhepausen, in denen die Kinder auf der Wiese spielen oder durchs Haus toben können. »Es gibt Kinder, die seit Jahren dabei sind«, sagt Monika Hunze über ein Projekt, bei dem sich zehn Betreuer, darunter Theaterpädagogen, Erzieher, Regieassistenten und ehemalige Teilnehmer von 9 bis 16 Uhr um die Kinder kümmern. Arbeitende Eltern können ihr Kind von 8 bis 17 Uhr in die Obhut dieses Ferienprojektes geben. Im Preis von 60 Euro ist ein Mittagessen enthalten. Unterstützt wird das Projekt, das mit 19 000 Euro zu Buche schlägt, von der GWG-Wohnungsgesellschaft Reutlingen und der Stadt Reutlingen. Am morgigen Mittwoch zieht die ganze Truppe von der ehemaligen Ypern-Kaserne in die Räume der LAG Theaterpädagogik in der Heppstraße 99. »Dort haben wir das gesamte Equipment«, sagt Monika Hunze. Am kommenden Samstag zeigt der Theaternachwuchs, was er in den vergangenen neun Tagen erarbeitet hat. »Es gibt zwei Vorstellungen. Eine um 11 und eine um 15 Uhr«, sagt Monika Hunze. Beide Stücke haben die Odysseus-Sage als Basis. »Aber die beiden Theatergruppen haben den Stoff unterschiedlich interpretiert.« Wer sich die Stücke ansehen will, muss sich anmelden, weil die Zuschauerkapazitäten in der Heppstraße begrenzt sind. Bis Freitag 18 Uhr müssen entsprechende Mails bei Monika Hunze eingegangen sein.

Quelle: GEA

hunze@lag-theater-paedagogik.de