Warum ist Bildung im Vorschulalter so wichtig?

Als mir vor zwei Jahren Galina Lerner – Geschäftsführerin des dialog e.V. – das Angebot machte, 4 bis 5-jährige und Vorschüler in Mathematik zu unterrichten, war ich im ersten Moment skeptisch. Ich hatte bislang Schulkinder unterrichtet, also Schüler die das Schulleben und seine Anforderungen kannten.  Selbst Mutter von zwei Kindern (damals 2 und 5 Jahre) kamen mir diverse Fragen auf: „Wie begeistert man Kindergartenkinder für Mathematik?“; „Ist es nicht zu früh, schon vor der Schulzeit rechnen und schreiben zu können?“; „Wird es den Kindern danach in der 1. Klasse langweilig?“

Ich wollte es wissen und stellte mich der Herausforderung. Schon nach wenigen Tagen verschwanden alle Zweifel und Skepsis. Mir wurde schnell bewusst, welch wundervolle Aufgabe ich angenommen habe und darüber bin ich sehr glücklich.

“Der Mensch lernt sein Leben lang” – diesen Spruch kennt ein jeder von uns und gibt ihn auch gerne an die neue Generation weiter.  Doch mit der Beantwortung der Frage, ab wann soll denn mit der Bildung bei Kindern angefangen werden, tut man sich schwer. Manche sehen die Schule als einen Abbruch der verspielten Kindheit und möchten ihre Kinder vor den schulischen Belastungen so lange wie möglich bewahren. Doch Lernen und Schule darf als solches nicht gewertet werden.

Kinder lernen gerne, vor allem kleine Kinder sind besonders neugierig, wissbegierig und lernbereit. Und genau diese Eigenschaften sind die Grundpfeiler einer glücklichen und erfolgreichen Schullaufbahn. Albert Einstein sagte selbst über sich:

„Ich habe keine besondere Begabung, ich bin nur leidenschaftlich neugierig!”

Es begeistert mich immer wieder im Unterricht zu beobachten, mit welchem Interesse bereits die Kleinsten die Welt der Zahlen erkunden. Durch Beobachtung, Analysieren, Ordnen und Wiederholen gehen Kinder den logischen Zusammenhängen auf den Grund. Denn, Kinder wollen verstehen, warum etwas so ist, wie es ist.

Darüber hinaus lernen die Kinder sich zu konzentrieren, aufmerksam zuzuhören, nicht aufzugeben, Aufgaben zu Ende zu bringen, Teamarbeit, den Mut vor einer Klasse zu sprechen sowie eigene Ideen und Lösungen einzubringen. Sie sind für die Schule vorbereitet.

Gerne möchte ich meinen Erfahrungsbericht mit den Worten des Wirtschaftsnobel-preisträgers  Professor James Heckman abschließen, der sich mit der Bedeutung der frühkindlichen Bildung wissenschaftlich auseinandersetzte:

„Die Kinder aus der Vorschulgruppe waren motivierter und hatten mehr Selbstdisziplin.

  Das – und nicht der IQ – erklärt ihre späteren Erfolge.“

Klaudija Tripković
Kursleiterin für Mathematik

4-5 Jahre, Vorschule, 1.+2. Klasse