Aus eigener Kraft erreichte der Verein die Anerkennung!

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Aus eigener Kraft erreichte der Verein die Anerkennung der Stadt Reutlingen als Träger der außerschulischen Jugendbildung und machte erste Erfahrungen mit dem Projektmanagement, sodass er kleinere finanzielle Unterstützungen beantragen konnte. Durch die Kooperation mit dem JMD Reutlingen kann Dialog e. V. mittlerweile Bundesmittel beantragen und so eigene Schwerpunktsetzungen verwirklichen. Aktuell entwickelt sich das Projekt dahingehend weiter, die durch den JMD angemieteten Räume zu einem interkulturellen Bildungszentrum auszubauen. Viele Angebote des Vereins richten sich nunmehr nicht ausschließlich an russische Kinder und Familien, sondern sind offen für alle Nationalitäten, die angemieteten Räume können auch von anderen Migrantenorganisationen in Reutlingen für ihre Aktivitäten und Angebote genutzt werden. Die Lehrkräfte des Vereins nehmen an einer interkulturellen Qualifizierungsreihe teil. Mitarbeiter/-innen des Vereins werden von Schulen häufig als aktive Schlüsselpersonen erkannt und angesprochen, sodass sie dort z. B. Elterncafés oder eine Müttergruppe mit Schwerpunkt Sprachförderung begleiten.

Auch bei Konflikt- und Vermittlungsgesprächen können sie entweder auf Wunsch der Eltern oder aber der Schulen hinzugezogen werden. Der Verein wird mittlerweile zunehmend von anderen Migrantenorganisationen überregional als Beratungsinstanz für deren Vereinsgründungen und/oder die Beantragung und Abwicklung von Förderprojekten angefragt. Dialog e. V. seinerseits vernetzt sich mit anderen russischen Vereinen in Baden-Württemberg, die eine ähnliche Zielsetzung haben, um ihre Anliegen zukünftig auch stärker politisch vertreten zu können. Weitere Infos: www.dialog-rt.de.

Dieses Beispiel ist eine Erfolgsgeschichte, doch nicht alle Migrantenorganisationen treffen auf solch unterstützende Rahmenbedingungen:

„Ob und in welchem Umfang sich die Brückenfunktion der Eigenorganisationen realisieren lassen kann oder wie durch Kooperation und Netzwerke die spezifischen Potenziale von Eigenorganisationen eingebunden werden können, hängt ebenso von der Bereitschaft der deutschen Institutionen ab, dieses Potenzial anzuerkennen und zu fördern. (…) Offene Ohren bei Kooperationspartnern vor Ort reichen nicht aus. Wenn es ernst gemeint ist mit der Partizipation von Migrantinnen und Migranten und ihren Organisationen, müssen ihnen Beteiligungen, z. B. an Bildungsveranstaltungen, Projekten und Finanzierungen, ermöglicht und angeboten werden. Auf diese Weise können sie auch‚ wachsen‘, personell, bezogen auf die Infrastruktur und Qualifikationen. Die Aufforderung zur gleichberechtigten Mitwirkung bleibt ein Lippenbekenntnis, wenn nicht der strukturelle Nachteil der Migrantenselbstorganisationen gesehen und Abhilfe geschaffen wird.“ (Jungk 2010, 17 ff.)
Damit einher geht eine Forderung an die Wohlfahrtsverbände. Riesgo fordert klare Kriterien zur Gestaltung der Zusammenarbeit (wie z. B. eine gemeinsame Planung, Durchführung und Auswertung von Maßnahmen, das Ermöglichen eigener Bedarfsanalysen in den Migrantenorganisationen, das Respektieren der Autonomie von Migrantenorganisationen) und formuliert abschließend die Zielperspektive: „Wohlfahrtsverbände fördern alles, was Migrantenorganisationen besser als sie selbst leisten können, statt es selber tun zu wollen.“ (Riesgo 2010, 41)

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