»So lernen Kinder spielend sprechen«

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FERIENPROGRAMM – Gemeinsames Theaterprojekt von »Dialog« und LAG-Theater-Pädagogik in den Pfingstferien

VON KRISTINA WIECHERT
REUTLINGEN. Echte Helden kommen in Märchen vor, manchmal auch in Theaterstücken. Nach zehn Tagen Theatercamp werden 60 junge Helden auf der Bühne stehen, bei zwei Aufführungen zeigen, welches Theaterstück sie gemeinsam erarbeitet haben und wie sie ihre unterschiedlichen sprachlichen Barrieren spielerisch überwunden haben.

Freuen sich auf das gemeinsame Projekt in den Pfingstferien (von rechts): Monika Hunze (Geschäftsführerin der LAG-Theaterpädagogik Baden-Württemberg), Dialog-Geschäftsführerin Galina Lerner und Sultan Braun, Leiterin des Referats für Migrationsfragen. FOTO: Kristina Wiechert

So märchenhaft und spannend können Pfingstferien sein: Vormittags gemeinsam lesen, erzählen, basteln und spielen, nachmittags unter professioneller Anleitung ein Theaterstück erarbeiten, in dem es um Märcheninhalte wie Helden und ihre Abenteuer geht, wie beispielsweise bei Aleksander Afanasjew, dem »russischen Grimm«. 

Bei dem Ferienprojekt, einer Kooperation des Vereins »Dialog« und LAG-Theater-Pädagogik, wird die Sprache im Vordergrund stehen. Alle gesprochenen Sprachen, die die Kinder mitbringen, können mit einfließen und durch Körpersprache und Mimik ergänzt werden.  
Das Integrations- und Bildungszentrum Dialog, ein ursprünglich russisch-deutsches Projekt, arbeitet mittlerweile international und bietet Bildungs- und Freizeitangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. Auch mit Ferienprogrammen haben die Sprachlehrer und Pädagogen bereits Erfahrung gesammelt, denn seit 2008 stellt der Verein zweiwöchige Sprachlerncamps in den Sommerferien auf die Beine, an denen jeweils 40 Kinder teilnehmen können. 

»Das Projekt mit der LAG ist für 60 Kinder ausgelegt und hier können wir unser Know-how zur Verfügung stellen«, kündigte Dialog-Geschäftsführerin Galina Lerner an. Selbstverständlich sei das Theaterferiencamp für alle offen, doch sie schätzt, dass über 90 Prozent der teilnehmenden Kinder Migrationshintergrund haben. »So lernen Kinder spielend sprechen.« 

Von der LAG sind laut Geschäftsführerin Monika Hunze zwei Profis mit von der Partie: Theaterpädagogin Beate Duvenhorst und der freie Theaterpädagoge Volker Schubert. »Es ist das erste Projekt, das aus den Arbeitskreisen des Integrationskonzeptes hervorgeht. Ich erhoffe mir viel davon«, sagt Sultan Braun, Leiterin des städtischen Referats für Migrationsfragen. 

Die von der Stadt Reutlingen im Rahmen des Integrationskonzeptes im Mai 2011 gebildete Arbeitsgruppe »Sprachförderung« hat das Projekt als besonders positiv bewertet. Die Stadt wird somit ebenso wie die GWG – Wohnungsgesellschaft Reutlingen finanzielle Unterstützung leisten. 

Wie sehr Förderung angesagt ist, zeigen die Zahlen aus Reutlingen über Bildungsabschlüsse aus dem Jahr 2010: 12 Prozent der ausländischen Kinder haben gar keinen Schulabschluss, 60 Prozent einen Hauptschulabschluss, 25 Prozent Mittlere Reife und nur zwei Prozent Fachhochschulreife. Allerdings ist das Projekt noch nicht komplett finanziert und so hoffen die Macherinnen auf weitere Spenden von Unternehmen und privaten Personen. (GEA)

Infos zum Projekt

Das Ferienprogramm (täglich von 9 bis 16 Uhr) im LAG-Theater-Pädagogik-Zentrum in der Heppstraße 99 beginnt am 29. Mai und endet mit den Aufführungen am 9. Juni. Kosten: 60 Euro pro Kind inklusive Mittagessen und Zwischenmahlzeiten. Anmeldung: Dialog, Integrations- und Bildungszentrum, Ringelbachstraße 195, 72672 Reutlingen; Telefon: 01 79/1 41 52 25. Spendenkonto: dialog e.V., Konto: 100 059 779, BLZ: 640 500 00. (GEA)

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