Theater kann Welten öffnen

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Autor: JÜRGEN SPIESS, 20.06.2014

Reutlingen:Sprachgrenzen spielend überwinden: Der Verein Dialog, das Theater-Pädagogik-Zentrum (LAG) und die Hohbuchschule richten zum dritten Mal ein Theaterferiencamp aus. Wir haben eine Probe besucht.

Sprechtheater kann Grenzen überwinden: Die Abschlussaufführungen des Projekts “Spielend sprechen” finden am 21. Juni in den LAG-Räumen statt. Fotos: Jürgen Spiess

Theater spielen und dabei spielend das Sprechen verbessern – das gefällt sowohl deutschen als auch Kindern aus Migrationsfamilien, zumindest, wenn es ohne Erwartungs- und Leistungsdruck geschieht.

Was liegt also näher, als Kindern zwischen acht und zwölf Jahren in den Pfingstschulferien ein Programm zu bieten, das genau diese Ziele einlöst? Genau das fragten sich vor zwei Jahren auch Sultan Braun, Leiterin des städtischen Referats für Migrationsfragen, Monika Hunze, Geschäftsführerin des LAG Theater-Pädagogik-Zentrums, und Dialog-Geschäftsführerin Galina Lerner. Die drei Frauen fanden die Antwort in einem Theaterferiencamp, das zehn Tage lang von 9 bis 16 Uhr bis zu 60 Kinder zusammenbringt, um unter Anleitung ein Theaterstück einzustudieren.

Dieses Jahr steht eine Geschichte nach der Vorlage “Ronja Räubertochter” auf dem Plan. Insgesamt 53 Kinder wurde in zwei Gruppen aufgeteilt, die unabhängig voneinander ein Räubermärchen einstudieren. Dabei sollen die unterschiedlichen Sprachen, die die Kinder mitbringen, im Vordergrund stehen und durch Körpersprache und Mimik ergänzt werden. Sowohl Deutsche als auch Kinder mit Migrationshintergrund sind dabei, und etwa die Hälfte leben in Reutlinger GWG-Wohnungen.

Warum? Weil das Theaterferiencamp zu einer Hälfte von der Stadt Reutlingen sowie der GWG finanziert wird, zum anderen Projektteil von dem Berliner Förderprogramm “Kultur macht stark. Künste öffnen Welten” des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Geleitet werden die beiden Aufführungen “Eine Geschichte vom Rumräubern” und “Zum Donnerdrummel mit dem Großstadtdschungel” von den Theater-Pädagogen Ulrike Tilke und Volker Schubert, die von zehn Dialog- und LAG-Mitarbeitern, fünf Jugendlichen und weiteren Praktikanten unterstützt werden. Da das Projekt mit insgesamt gut 20 000 Euro gefördert wird, konnte der Unkostenbeitrag (inklusive Verpflegung) sehr gering gehalten werden.

Die Kooperation zwischen dem LAG Theater-Pädagogik-Zentrum, dem Verein Dialog und seit diesem Jahr auch der Reutlinger Hohbuchschule wird von der Stadt Reutlingen als besonders wertvoll eingestuft und hat sich inzwischen zum Vorzeigeprojekt gemausert. Deshalb soll die Kooperation auch in den nächsten Jahren fortgeführt werden.

Während vor- und nachmittags das Einüben des Theaterstücks angesagt ist, bleibt während der längeren Mittagspause auch genügend Zeit zum gemeinsamen Essen und spielen. Und weshalb ein Märchen? “Weil Märchen kultur- und sprachübergreifend sind und gleichzeitig eine kindgerechte Grundlage sowie fantasievolles Material für die Stückentwicklung bieten”, sagt die russischstämmige Galina Lerner, die bereits auf vielfältige Erfahrungen mit Theaterferiencamps zurückgreifen kann.

Monika Hunze und Galina Lerner sind vom Erfolg ihres Konzepts überzeugt. Und während der intensiven Proben steigt die Vorfreude auf die Aufführungen. Denn: Spielendes Erzählen macht Spaß, setzt vielschichtige Lernprozesse in Gang, und der kulturübergreifende Aspekt ist nicht zu unterschätzen.

  • Zusatzinfo

Abschlussaufführungen jetzt am Samstag

“Spielend sprechen” Am Samstag, 21. Juni, 11 Uhr, zeigt das Theaterferiencamp die Aufführung “Eine Geschichte vom Rumräubern” in den Räumen der LAG Theater-Pädagogik, Heppstraße 99/1, Reutlingen. Um 15 Uhr folgt die Aufführung “Zum Donnerdrummel mit dem Großstadtdschungel”.

Weiterer Termin Am 30. Juni gibt es noch einmal eine Aufführung in der

Hohbuchschule, am 26. Juli (jeweils mittags) in der Kemmlerhalle Betzingen.

SWP

Quelle: SWP (http://www.swp.de/2660674)